Ein ganz besonderes Festival – Das KURZstummfilmfestival lädt jährlich zu diesem außergewöhnlichem Event ein – welches seit 2020 auch online stattfindet. Simone Bury und Richard Poser organisieren seit 2015 gemeinsam das KURZstummfilmfestival. Beide kennen sich schon seit über 20 Jahren. Wir haben mit beiden ein Interview führen dürfen. Hier erfahrt ihr mehr über die Idee, Hintergründe und wie ihr euch selbst aktiv oder als Teilnehmer im Publikum anmelden könnt.

2019 Thema gelb

Mit wem haben wir es heute zu tun? Stellt euch doch kurz einmal vor!

Simone: Ich bin Simone, 33 Jahre und arbeite als Psychologin in der Beratung und frei als Kommunikationsassistentin für Gebärdensprache im Kunst und Kultur Bereich.

Richard: Ich bin 49 Jahre, Friseur, Erzieher und  Jugendleiter in einem offenen Kinder- und Jugendhauses in Essen – Steele und Jugendreferent bei der Ev. Jugend Essen mit der Fachrichtung Inklusion. Wir beide sind außerdem ausgebildete Theaterpädagogen.

Wie ist die Idee zum Festival entstanden?

Simone: Ich habe 2013 in einer Wohneinrichtung für Hörgeschädigte gearbeitet. Ich habe oft am Wochenende mit den Kindern und Jugendlichen Filme gedreht. Irgendwann kam mir die Idee für ein Filmfestival, zusammen mit Hörenden. Keine Sprache auf der Leinwand zu zeigen, aber drum herum viel Platz zum Austausch und kennen lernen. Es hat funktioniert und so wollte ich es größer aufziehen.

Richard: Als Simone mir von ihrem Plan erzählte, war ich sehr schnell begeistert, da ich Film sehr liebe und auch in unserem Jugendhaus schon verschiedene Filmprojekte veranstaltet habe. Es war also nicht schwer mich dabei zu haben.

Wie lange gibt es euch schon?

Simone: 2015 war das erste „offizielle“ in der Zeche Carl in Essen. 2013 gab es  ein ganz kleines KURZstummfilmfestival eher „inoffiziell“

Was macht eure Festivals so besonders?

Simone: Soweit wir wissen ist es generell eines des wenigen Filmfestivals für kurze Stummfilme, dazu kommt noch, dass die Jury gleich aufgeteilt aus tauben und hörenden Menschen besteht. Somit werden hier, wie auch vom Publikum die Filme ganz anders diskutiert. Dazu kommt dass die Moderation in Gebärdensprache ist, da es so für alle angenehmer ist, wenn es in Lautsprache übersetzt wird und nicht andersherum.

Richard: Aber auch optisch versuchen wir uns abzuheben, da wir ja nicht einfach in einem Kino sind, sondern eben an einem geschichtsträchtigen Ort, dem Kulturzentrum Zeche Carl. Der Saal wird besonders gestaltet und dekoriert und es gibt immer eine Gesprächsecke, wo man auch mit anwesenden Filmemacher*innen diskutieren kann. Denn der Austausch und die Begegnung der Menschen ist für uns ein sehr wichtiger Faktor. Und dieser muss gestaltet werden und einen Rahmen haben. 2020 gab es dann endlich auch ein Jurygespräch, in dem man sich auch mit den Mitgliedern der Jury auseinandersetzen  und Fragen stellen konnte.

Die Einsendungen der Filme und auch die Auswahl die hinterher gezeigt wird sind sehr, sehr unterschiedlich, von der Machart, von den Inhalten, von den Menschen.

2018 Rede

Alles soll rein visuell passieren – und auch gerne Farbenfroh

Richard

 

Wie darf man sich ein Kurz-Stumm-Filmfestival vorstellen und was unterscheidet euch von anderen Festivals?

Richard: Einige Punkte wurden vorhin ja schon beantwortet, aber es gibt natürlich noch besondere Rahmenbedingungen. Das KURZstummfilmfestival ist ein Filmfestival für Kurzfilme (1-11 Minuten) die ohne Sprache sein sollen (stumm). Viele Menschen verbinden mit Stummfilm schwarz-weiß Filme mit geschriebenen Zwischeneinblendungen. Wir nehmen stumm aber wörtlich, was ja „ohne-Sprache“ bedeutet. Somit ist Laut- und Gebärdensprache sowie Schriftsprache nicht erlaubt. Alles soll rein visuell passieren – und auch gerne Farbenfroh. Mit einem Thema geben wir den Filmen „Einen roten Faden“ – dies war auch das Thema unseres 1. Festivals. Unsere Themen sind sehr unterschiedlich, z. B. Gelb, Raum. One Shot – Ein Schuss, 5 oder wie jetzt „Geschichten“

Die Filmfestival Landschaft ist ja sehr groß und somit hat jedes Festival seine eigenen Regeln. Wir denken, damit unterscheiden wir uns noch nicht. Aber das was uns besonders macht, das ist wohl auch das was uns von anderen Festivals unterscheidet. Wir haben eine bunte Mischung aus allem möglichen.

Welche Themen deckt ihr ab?

Simone: Alle 🙂

Richard: Natürlich geben wir jedes Jahr ein Thema vor, dass wird aber immer gerne sehr allgemein halten, damit jeder seine eigene Interpretation finden kann. Und die Genres sind sehr unterschiedlich. Wir haben Kinderfilme, Horrorfilme, Animationsfilme, manchmal mit sehr ernsten Themen, aber auch sehr lustige und skurrile Filme sind dabei. Es gibt auch Kunstfilme, die manchmal schwer zu verstehen sind. Amateure und Profis. Das Festival hat für jeden etwas und genau diese Mischung wollen wir. Wir bewerten die Filme auch vorher nicht, wie andere Festivals es oft machen, sondern zeigen eigentlich fast alles.

Wie ist das Feedback eurer Besucher?

Simone: Vom Publikum bekommen wir immer wieder die Rückmeldung, dass sie das Festival sehr mögen, weil es herzlich und schön ist. Viele machen Erfahrungen die sie vorher noch nicht gemacht haben. Es ist ein Austausch für taube und hörende Menschen ohne dass dies im Mittelpunkt steht. Sondern ganz einfach der Film ohne Sprache. Die Mischung aus Profis und Amateuren ist auch etwas was immer wieder benannt wird, dass die Filme so unterschiedlich sind und es einfach spannend ist so eine wilde Mischung auf der Leinwand zu sehen.

Jury 2018

Es ist ein Austausch für taube und hörende Menschen ohne dass dies im Mittelpunkt steht

Simone

 Inwiefern beeinflusst Corona eure Veranstaltungen und Pläne?

Simone: 2020 mussten wir sehr umdenken, wir schwankten zwischen: „Wir sagen ab.“, „Wir ziehen es durch“ und am Ende wurde es dann eine Mischform aus digital und live vor Ort. Richard: Wir haben die Filme vorher schon online gestellt und dadurch auch unseren 1. Online-Preis entwickelt. Die Preisverleihung und das Jurygespräch wurden dann auch bei YouTube live gestreamt. Corona war eine Belastung, aber wir haben sehr viel gelernt und etwas Neues und positives daraus gemacht.

Simone: Wir hatten ein Jahr vorher über einen Live-Stream nachgedacht, aber es dann doch nicht umgesetzt. 2020 waren wir gezwungen und wir werden dies auch beibehalten. Unsere Einsendungen sind international und so können es viel mehr Leute sehen.

Wie sehen eure weiteren Pläne aus?

Simone: 2021 werden wir das gleiche Format nutzen wie auch 2020. Wir konnten einiges dabei lernen und werden dies nun weiter umsetzen. Schön wäre es, wenn wir es auch auf Englischer Lautsprache und internationaler Gebärdensprache übersetzt bekommen würden. Dann könnten wirklich alle daran teilnehmen. Aber wir haben schon Lust, das Festival auch die nächsten Jahre weiter durchzuführen. Die Beteiligungen sind spannend und das Feedback zeigt uns einfach immer wieder, dass es für viele neu ist. Es wird auch einen neuen Preis geben, aber genaues wird noch nicht verraten.

Wo findet man noch mehr Informationen und wie kann man euch kontaktieren?

Richard: Die aktuellsten Infos findet ihr auf www.kurz-stumm-filmfestival.de, auch unsere Kontaktdaten (info@kurz-stumm-filmfestival.de) sowie das Anmeldeformular für Filmemachenden sowie später die Infos fürs Publikum. Wir sind natürlich auch bei Facebook und Instagram vertreten und auf unserem YouTube Kanal kann man Videos der letzten Jahre auf YouTube anschauen. Also wir sind digital gut vertreten.

Zum Abschluss gehört das Wort euch – Was möchtet ihr den SIGN TOURS Lesern mitgeben?

Simone: Wir freuen uns auf Deinen Film! Dieses Jahr ist das Thema Geschichten. Wir sind wieder gespannt auf die kreativen Ideen, egal ob Spielfilm, Animation oder Schattenfilm. Alles ist möglich und das macht das Festival so besonders!

2019 Publikum

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